In Kärnten sind lei Narren unterwegs

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Der Fasching wurde nur erfunden, damit auch hässliche Menschen einmal in den Genuss des Paarungsverhaltens kommen. Behaupten zumindest böse Zungen. Dass in Kärnten dafür sogar die fünfte Jahreszeit ausgerufen wird und landauf, landab tausende Menschen dem kollektiven Ausnahmezustand entgegentaumeln, dürfte damit wohl in keinem direkten Zusammenhang stehen, oder doch? Ein paar Gedanken zum bunten Treiben und zum Fasching in Kärnten.

Was bedeutet Fasching? Verkleiden, saufen und lustig sein?

Heitere, schöne, mythische Geschöpfe auf den Straßen Kärntens.

Heitere, schöne, mythische Geschöpfe auf den Straßen Kärntens. Das gibt es nur im Fasching.

Der Fasching ist im Gegensatz zu so manch anderem Feiertag, der einen Eintrag im Februar gefunden hat, kein moderner Folklore, mit kapitalistischem, anstatt kulturellem Hintergrund, sondern ein Fest mit langer Geschichte. Fundierte Daten über den Ursprung der oft kultischen, magisch-mythischen und bäuerlichen Bräuche sind jedoch kaum zu finden. Die alten Rituale und Gepflogenheiten wurden mündlich weitergegeben und das Wissen darüber, vor allem durch das jährliche Zelebrieren, über Jahrhunderte bewahrt.

Wenn man über althergebrachte Dinge mehr erfahren will, so ist es oft hilfreich, sich mit dem Wortursprung zu beschäftigen. Das Wort Fasching wurde im Hochdeutschen bereits im 13. Jahrhundert erstmals verwendet. Damals noch als „vaschanc“ und „vaschang“. Fragt man nun einen Etymologen, so wird dieser einem erklären, dass Fasching, beziehungsweise Vaschang, sich vom Wort Fastenschank ableiten lässt. Wie so oft in der Geschichte, geht es also mal wieder um das Zusammenspiel von Alkohol und katholischer Kirche. Der Fastenschank war nämlich der letzte Ausschank alkoholischer Getränke, vor der anstehenden, sehr strengen Fastenzeit. Immerhin. Ein Teil dieser Tradition hat bis heute überlebt.

Fasching in Kärnten: Wenn Mädchen vor den Pflug gespannt werden

Der Fasching ist ein Freudenfest. Immerhin verabschiedet sich so langsam der bitterkalte und unwirtliche Winter, die fruchtbare Zeit des Jahres beginnt und der freundliche Frühling wartet. Wer hinter die bunten Masken und Kostüme blickt, findet dort nicht nur lustige Menschen, sondern Bräuche mit ernstem Hintergrund. So werden im Fasching nicht nur der Winter und seine bösen Geister ausgetrieben, sondern auch gleich für gute Ernte gebeten und die Dorf-Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Dass beispielsweise junge Mädchen vor einen Pflug gespannt werden, hat seinen Ursprung nicht im Hirn eines bösartigen Dorftyrannen, sondern soll eine ertragreiche und gute Ernte bringen. Strohpuppen werden im Kärntner Fasching zu Faschingsbräuten und heiratsunwillige Mädchen zum Gelächter im ganzen Dorf.

Viele Bräuche haben, vor allem in Kärnten, bis heute überlebt. Und auch wenn die Masken und Kostüme über die Jahre vielfältiger, moderner wurden und nicht mehr jeder Faschingsnarr die Bedeutung kennt. Kärnten lebt den Fasching noch immer mit Leib und Seele. Ob Faschingsfreund oder Narren-Feind. Einmal im Leben sollte man dieses Spektakel wohl doch einfach erlebt haben. Wenn von West nach Ost, von Oberkärnten bis an die Grenze zur Steiermark, von Spittal, über Villach, Klagenfurt und den Klopeiner See, bis ins Lavanttal die Narren ihre Spiele treiben. Dann ist in Kärnten die fünfte Jahreszeit angebrochen (oder Landtagswahlen).

Narr sein, heißt frei sein

Kommen wir abschließend noch einmal kurz zum Anfang dieses Textes zurück. Dass der Fasching nur erfunden wurde, um hässliche Menschen auch einmal in den Genuss von trauter Zweisamkeit zu bringen, bleibt nach dem eben Gelesenen, wohl weiterhin nur eine Böse Unterstellung. Und das, obwohl alkoholische Exzesse und vor den Pflug gespannte Mädchen etwas anderes vermuten lassen könnten. Doch die beste Antwort gibt auch hier nur der Fasching selbst – denn als richtiger (Kärntner)Narr kann man „sagen, was man denkt, fühlen, was man empfindet und sein, wie man sein möchte.“ Lei, lei!