Der Drache von der Petzen

Der Drache von der Petzen
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Es war einst der Sohn eines Bauern und seiner Frau. Er war der älteste von drei Brüdern und lebte gemeinsam mit seiner Familie in St. Kanzian am Klopeinersee. Als die Eltern bei einem Brand im Stall ums Leben kamen, war es seine Aufgabe für seine beiden jüngeren Brüder zu sorgen. Da es im Dorf kaum Arbeit gab und auch alle Tiere beim Brand ums Leben gekommen waren, musste er auf der Suche nach Arbeit ins Land hinausziehen, um sich und seine zwei Brüder versorgen zu können. Von einem Wandersmann hörte er, dass es auf der Petzen einen Stollen gab, in dem hunderte Männer Erz und Zink abbauten. Dort bräuchte man noch junge, starke, mutige Männer, die sich weit in den Berg hineintrauten. So beschloss er Richtung Süden zu gehen und sein Glück zu versuchen.

Als er nach einem halben Tag Fußmarsch an den Stollen ankam, fand er dort keine Menschenseele. Als wären die Männer überstürzt aufgebrochen, lagen die Pickel, Lampen und Helme wild durcheinander und eilig weggeschmissen auf dem Boden. Der Eingang zum Stollen war dunkel. Das Licht der untergehenden Sonne erhellte nur die ersten Meter. Dahinter war ein dunkles schwarzes Loch. Doch er war mutig und neugierig zugleich. Er nahm sich eine Lampe, entzündete die Kerze und ging tiefer in den Stollen hinein. Als er schon mehr als eine Stunde gegangen war, ertönte plötzlich ein lautes Grollen und Donnern. Die Wände um ihn herum erzitterten und der Boden begann zu beben. Doch er ließ sich von alle dem nicht entmutigen und setzte seinen Weg fort. Der Weg führte ihn immer steiler nach unten, bis er in einer großen Halle, am Ufer eines unterirdischen Sees stand.

Sein Licht reichte nur wenige Meter und so konnte er das Ende des Sees nicht erkennen. Zu seiner Rechten sah er kleines Boot. Mit diesem fuhr er auf den See hinaus. Das Grollen wurde immer lauter und das Boot schwankte gefährlich, so dass es fast zu kentern drohte. Auf der Suche nach den Stollenarbeitern, hielt er Stand und fuhr weiter,  als plötzlich ein furchterregend aussehender Drache vor ihm aus dem See auftauchte. Ein heller Lichtblitz erleuchtete die unterirdische Höhle. Der Drache senkte seinen Kopf und fragte den jungen Mann, wieso er ihn störe. Auch die anderen Männer hätten dies gewagt und waren vor seinem Zorn getroffen worden. Der Bauernsohn erzählte dem Drachen von seinem Leid. Der Drache erkannte die ehrlichen Absichten und hatte Mitleid mit ihm. Im Tausch dafür, dass der junge Mann im ganzen Land davon erzählen würde, dass im Stollen ein gefährliches Ungeheuer hauste und man dort nicht mehr abbauen solle, gab der Drache ihm mehrere Säcke voller Gold.

Der Bauernsohn kehrte reich beschenkt zu seinen Brüdern zurück. Sogleich berichtete er den Dorfbewohnern von seinen Erlebnissen. Diese lachten ihn nur aus und taten seine Erzählungen als Lügenmärchen ab. Die drei Brüder wurden seither geächtet und aus der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt. Gierig nach den Schätzen des Berges begannen die Menschen wieder in den Stollen das Erz abzubauen. Der Drache war über so viel Gier und Dreistigkeit erzürnt. Viele dunkle Wolken zogen über dem Land auf und es regnete sieben Tage lang. Seit diesem Tage sind die Stollen auf der Petzen mit Wasser gefüllt. Die drei Bauernsöhne lebten bis zum Ende ihrer Tage gemeinsam auf dem Hof ihrer Eltern und führten danke dem Geschenk des Drachen ein sorgloses Leben.